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Publizistin und Psycho-Therapeutin
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Astrid von Friesen, Gerhard Wilke: „Generationen-Wechsel: Normalität, Chance oder Konflikt?“

Psychologie, Bd. 58, 258 S., 34,90 €, br, ISBN 978-3-643-13520-9

Generationenwechsel

Astrid von Friesen: „Was ist bloß mit den Jungen und Söhnen los?“

Videoaufzeichnung, ost-west-forum Gut Gödelitz e.V. am 08. März 2014



Kommentar für Deutschlandradio Kultur am 24.12.2007

Copyright für christliche Symbole!

Erfindungen werden patentiert, Werbeideen oder Schlagertexte bekommen ein Copyright, dürfen also nicht von Jedermann zweckentfremdet werden. Doch christliche Symbole sind frei für jegliche, besonders für die abstrusesten, abwegigsten Darstellungen und Werbezwecke.

Auch fällt auf: Je unchristlicher eine Gesellschaft ist, desto heftiger benutzt sie protzig und aufdringlich christliche Symbole, ja schwelgt geradezu in ihnen. Es gäbe garantiert einen Aufstand, einen Aufschrei, wenn man sie verbieten würde! Die Verbände des Deutschen Einzelhandels ebenso wie der Deutschen Werbeunternehmen würden mit grossem Getöse Pressekonferenzen abhalten und wahrscheinlich völlig a-historische, von kultureller Erkenntnis wenig getrübte Statements abgeben. Nach dem Motto: In unserer freien Gesellschaft sollen christliche Symbole auch von Nicht-Christen genutzt werden dürfen, egal ob bewusst oder unbewusst, verschwenderisch, sinnfrei und bar jeglicher kulturellen Dimension. Hauptsache es fördert den Umsatz.

Aber auch Privatleute würden sich böse äussern: Sie würden sich beraubt fühlen, nahezu entblösst. Wie sollten sie den Oktober, November, Dezember hinter sich bringen, ohne die Flut von christlichen Symbolen, ohne deren Kuscheligkeit, Heimgeligkeit, ohne deren Aufforderungscharakter zu Betriebs- und Klassenfesten, auch zu Besäufnissen, sozusagen christlich untermauert, christlich dekoriert, christlich verbrämt.

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Wir sprechen von den christlichen Symbolen der Engel, des Adventskranzes, der Symbolik des Weihnachtssterns, des Heiligen Nikolaus, des Weihnachtsfestes. Die Urheberschaft ist klar, doch gibt es kein Urheberrecht und auch Ungläubige dürfen diese Symbolik heftigst nutzen.

Besonders hier in Ostdeutschland, wo nur 18 % der Bevölkerung der Evangelischen Kirche angehören. Nach 56 Jahren Diktatur und antikirchlicher Propaganda wundert sich der Christ, wie ausschweifend hier Advents- und Weihnachtsbräuche genutzt, man möchte sagen missbraucht werden. Und natürlich nehmen alle Nicht-Christen auch gerne die christlichen Feiertage in Anspruch.

Sie wissen zwar zum grössten Teil gar nicht mehr, warum der 31. Oktober gefeiert wird und denken, er sei für Halloween und Kürbisköpfe erfunden. Auch würden sich natürlich alle Nicht-Christen wehren, wenn Ostern-, Pfingst- und Weihnachtsfeiertage nur noch den Christen vorbehalten wären. Wo kämen wir hin, wäre die wütende Reaktion der Nicht-Gläubigen, wir haben ein Recht auf christliche Symbole und christliche Festtage!

Ketzerisch möchte ich fragen: Warum feiern Un-Gläubige nicht einfach ihre eigenen Feste? Und stellen bewusst keine Adventskränze ins Büro, lassen nicht Nikoläuse die Hauswände blödsinnig hinauf klettern, missbrauchen Engel nicht für Tassen und Teller, für Dessous-Reklame in den Schaufenstern, missbrauchen nicht jahrhundertealte Weihnachtslieder über die„Heilige Nacht“ im unreligiösen Supermarkt. Warum sind sie so wenig kreativ und greifen jedes Jahr neu auf die christlichen Gebräuche zurück? Haben die Ungläubigen sich je überlegt, dass dieser flächendeckende Missbrauch gläubige Menschen schmerzen könnte?

Ein wohlmeinender Pastor würde zu dem bis ins Unerträgliche gesteigerte Weihnachts-Kitsch-Aufkommen, welches einen in den Städten geradezu überflutet und erschlägt, sagen: Die Menschen sind auf der Suche nach Sinn und nach Werten. - Doch daran glaube ich nicht, denn die meisten denken, dass Weihnachten eine Erfindung des Einzelhandels sei und über Ostern und Pfingsten gibt es fast gar kein Wissen mehr. Nur diesen Anspruch auf die Feiertage! Sinnentleert und damit hohl. Es wird sozusagen geräubert in der Religion, frei nach dem Motto: Was ich gebrauchen kann, nehme ich mir aus dem religiösen Kontext, gleichzeitig jedoch auch die Freiheit religiöse Menschen zu belächeln und zu verspotten.

Genauso ist es mit dem Sonntag, um dessen Aufweichung sich die evangelischen und katholischen Kirchen zu Recht sorgen und deswegen das Bundesverfassungsgericht angerufen haben. Der Sonntag wurde vor über 3500 Jahren in den Zehn Geboten den Menschen sozusagen von Gott geschenkt. Seitdem strukturiert er unser Leben, unser Denken, unsere gesamten Kultur. Wie wäre es denn, wenn nur Christen ihn feiern dürften? Alle Anderen jedoch nicht.

Und wie wäre es, wenn Engel, Weihnachtsbäume und jede Wiederholung von„Stille Nacht, heilige Nacht“ mit einem Copyright belegt wäre, die Verwendung also - wie bei jedem Musik-Hit - bezahlt werden müsste: Zum Beispiel zugunsten von Bedürftigen, die Jesus im Blick hatte, der Urheber ohne Urheberrechte auf all das was Weihnachten ausmacht.



Diese Seite wurde am 06.05.2014 aktualisiert.