Paartherapie

Paartherapie, Beratung bei Liebeskummer sowie vor und nach Trennungen oder Scheidungen

Wenn zwei Individuen zusammenleben, kommt es naturgemäß zu Streit und Krach. Das muss so sein, um sich immer wieder neu auseinanderzusetzen, sich neu zu positionieren, denn Reibungen erzeugen Spannungen: Negative ebenso wie positive!

Doch werden diese Zustände chronisch, bleibt der eine oder die andere in Schuldzuweisungen „Immer machst du... nie tust du...“ stecken, wird häufiger geschwiegen als geredet, werden Konflikte lautstark, hässlich, gewalttätig oder überhaupt nicht ausgehandelt, ist Hilfe notwendig und sinnvoll. Egal ob es um das liebe Geld, die Kindererziehung, Haushaltspflichten, die Sexualität oder die Schwiegereltern geht: Den meisten Paaren kann geholfen werden, wenn sie rechtzeitig und nicht fünf Jahre (so der Durchschnitt) zu spät kommen.

Zunächst geht es oftmals um akutes Krisenmanagement, um die Paare möglichst rasch wieder zu befähigen, jenseits der Zerstörungen, der Zermürbungen und Bedrohungen zur Ruhe und zum Nachdenken zu kommen, um eine „Waffenruhe“ auszuhandeln, sich Zeit zu nehmen und dem anderen zu geben, um neue, produktive Regeln der Kommunikation herzustellen.

Denn wir alle suchen die Liebe, weil sie uns mit dem anderen Menschen tief verbindet, indem sie unsere Identität „rund macht“ und unsere Humanität beflügelt. Wir alle suchen dieses gute Fundament der „vier V´s“, also des Vertrauens, der Verlässlichkeit, des Verstanden-Werdens, welches die Basis zum jeweiligen Verzeihen erst bilden kann.

In der Paar-Therapie ist der Therapeut „Dolmetscher“ für die Bedürfnisse, Wünsche und geheimen Sehnsüchte beider Partner, die hinter dem Gezicke, Gemeckere oder Gegrummel stecken, um „das gemeinsame Lebensschiff“ wieder in Schwung und auf positiven Kurs zu bringen. Sinnvoll wäre es, wenn Paare alle sieben Jahre („Ehe-TÜV“) sich den Luxus einer Paar-Therapie gönnen würden, um den angehäuften, emotionalen Schutt und die Altlasten wegzuräumen, Neues miteinander auszuprobieren und aus den beidseitigen Erstarrungen und Zuschreibungen („Er/Sie ist immer so…sie/ er wird sich niemals ändern…“) herauszutreten. Das Ziel sind intime Dialoge zu ermöglichen, d.h. die eigene Reflektions- und die Liebesfähigkeit zu erweitern, um für das eigene Seelenheil und die eigenen 50 Prozent die Verantwortung am Beziehungsgeschehen selbstkritisch zu übernehmen. Denn wir können uns nur selbst verändern, niemals den Partner oder die Partnerin und sind zudem für das eigene Lebensglück verantwortlich. Kein anderer Mensch!

Liebeskummer, Trennungen und Scheidungen können selbst starke Menschen in die Verzweiflung stürzen, egal ob mit 14 oder 70 Jahren, weil sie oftmals uralte Gefühle aus der frühen Kindheit neu hervorwirbeln und dadurch Panik und große Ängste auslösen. Wir fühlen uns „mutterseelenallein“ (wie als Babys), ohnmächtig, ausgeliefert, schutzlos, seelisch und körperlich krank und für Monate und Jahre tief gekränkt. Jeder Liebesverlust – besonders nach Scheidungen – tut weh und bringt uns an unsere Grenzen. Hinzu kommen Ängste, Depressionen, Schuldgefühle (z.B. weil es den Kindern schlecht geht) und Grübeleien. Auch finanzielle und Sorgerechts-Fragen sowie die Not der Kinder müssen nun alleine bewältigt werden, was mit professioneller Hilfe, emotionaler Unterstützung und jemandem, der die Hoffnung hochhält, besser zu bewältigen ist.

Dieser professionelle Beistand ist wichtig, um diese vielgestaltigen Abschiede (vom Haus, vom Status, vom Ehe- und Lebens-Ideal, von engen Freunden, Teilen der Familie usw.) und die einhergehenden Trauerprozesse zu bewältigen, die jegliche Trennungen begleiten. Auch um die Gefühle, Gedanken und Ziele zu sortieren und das eigene Selbstwertgefühl, erwachenden Mut sowie veränderte Lebenspläne neu zu finden, zu gestalten und diese -  in langsamen Schritten - aktiv zu etablieren. Was zweifellos ein monate-, wenn nicht jahrelanger Prozess sein kann.

Ehekrach- und Beziehungsstress-Prophylaxe

Fast jede zweite Ehe ging 2015 in die Brüche. Und viele Beziehungen ebenfalls! Für unsere Großeltern gab es bei den evangelischen und katholischen Geistlichen „Ehevorbereitungsgespräche“, die vor der Hochzeit verpflichtend waren. Heute kommt der dieser neu-alte Trend aus den USA: Junge Menschen, die ihr Leben rational und vorausschauend planen, suchen immer häufiger und vorsorglich Rat bei einem Therapeuten. Mit den Fragestellungen: Was können wir, zumal die meisten bereits miteinander wohnen, an unserer Kommunikation verbessern, wie können wir die sich wiederholenden Konflikte begrenzen, was ist wichtig zu wissen, um als Individuum und als Paar glücklich und zufrieden zu werden?

Dazu gehört es aus meiner Sicht, überhaupt einmal detailliert über das eigene Menschenbild zu sprechen, denn darin verbergen sich die Erwartungen und Sehnsüchte an das Leben und den Beruf, die Kinder- und später die Erziehungsfragen, der Umgang mit Familienmitgliedern und Freunden. Erfahrungsgemäß tun dies junge Menschen oft nur oberflächlich und sind – nach der rosaroten Verliebtheits- und Symbiosephase – erstaunt, wie der andere im „normalen Zustand“ so tickt.

Immer wieder geht es um die Regulierung von Alltagsproblemen, vom jeweiligen Zeitbudget, von den Prioritäten, den Fragen zur Eifersucht und Exklusivität, um Familiengeheimnisse und die „emotionale Spreche“, die jeder vom Tag seiner Geburt an in seiner Herkunftsfamilie gelernt hat und lebenslang mit sich herumträgt.

Der bekannte Schauspieler Joachim Fuchsberger hatte einmal als Voraussetzung für eine gelingende Liebesbeziehung vier V´s formuliert: Verstehen, Vertrauen, Verzeihen, Verzichten! Diese Begriffe wären eine gute Grundlagen, um über die immer wieder schwer zu erringenden psychischen Vorraussetzungen in einer Beziehung – möglichst zu Beginn und alle sieben Jahre als Ehe-TÜV – zu reflektieren, um täglich bzw. phasenweise eine ausgewogene Balance zu erreichen, um Kompromisse – ohne die menschliches Zusammenleben nicht funktioniert – zu erarbeiten.

Es gehört zu jungen Menschen dazu, die ihr eigenes Leben aufbauen wollen, dass sie oftmals ungerne auf die Ratschläge ihrer Eltern hören. Deswegen kann die Arbeit mit einer professionellen Beraterin und Paar-Therapeutin akzeptabler sein, zumal diese auch einen Blick dafür hat, was das junge Paar an individuellen sowie generationsübergreifenden Belastungen und Beeinflussungen mit sich herumträgt und gegenseitig in Stellung bringt. Da langen zunächst einmal fünf bis zehn Doppelsitzungen, um eine gute emotionale Grundlage sowie eine gewisse Psychoedukation zu erlangen.